Bärendienste und Bärentatze

Heißen Sie?


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


Es ist mir lange nicht so schwergefallen darauf hinzuweisen, wie wichtig botanische Namen sind. Anders als heimische Namen sind sie eindeutig und Verwechslungen ausgeschlossen. Schleckermäuler verstehen unter einer „Bärentatze“ etwas völlig anderes als Gärtner, die eine Weiche Bärentatze (Acanthus mollis) als stattliche Staude im Vorgarten verwenden. Diese wird auch Wahrer Bärenklau genannt, was ein gärtnerischer Laie vielleicht mit dem wüsten und allergische Reaktionen auslösenden Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) verwechseln könnte.
Hin und wieder kommt es vor, dass Pflanzen umbenannt werden. Gründe sind zumeist neue Erkenntnisse über ihre Verwandtschaft. Früher hatte man zum Botanisieren eine Lupe dabei, um Details der Blüte, des Stiels oder Laubs vergleichen zu können. Heute verfügen die Botaniker über sogenannte DNA-Sequenzierungsgeräte (gebraucht ab 500 € bei eBay) und schauen den Pflanzen direkt auf die Gene. Das kann dazu führen, dass sich neue Erkenntnisse zur Verwandtschaft kaum noch mit den Augen nachvollziehen lassen. Reichlich Verwirrung gab es bei Astern und Chrysanthemen. Der aktuelle „Gewinner“ dieses Spiels ist die Gattung Salvia. Mag sich Carl von Linné auch im Grabe umdrehen, so heißen die Perowskien (Blaurauten) nun Salvia yangii und Salvia abrotanoides, der Rosmarin wird nun mal wieder Salvia rosmarinus gerufen.
Es gibt keine Wahrheit. Die Namensgebung ist der Versuch, mit sprachlichen Mitteln eine Ordnung zur besseren Übersicht der Zusammenhänge herzustellen. Wenn sich diese Ordnung dem Blick immer weniger offenbart, dienen solche Rituale eher dem wissenschaftlichen Publikationdruck, und die Akzeptanz bei Laien botanische Namen zu lernen wird weiterhin deutlich abnehmen.

Fabaceae
Fabaceae Jahrbuch GSS

Heute möchte ich Ihnen die Schriftenreihe der Gesellschaft Schweizer Staudenfreunde ans Herz legen. Ihre Jahrbücher botanisieren sich durch je eine Staudengruppe, wie den Lippenblütlern, den Hülsenfrüchtler, den Knöterichen oder zuletzt den Farnen. Dabei werfen sie immer einen ganzheitlichen Blick auf die Pflanzen und vergessen nie, wie sie außerhalb des Gartens genutzt werden.

Hinweis: Das Beitragsfoto zeigt den Hohen Juni-Knöterich, dessen Namensvielfalt babylonische Ausmaße angenommen hat.