Neulich in der Gärtnerei

Neulich war ich in einer Gärtnerei. Sie war gerade gut besucht. Das Wetter war herrlich, fast schon etwas zu heiß. Ich hätte nicht wenig Lust gehabt, die Beregner anzuwerfen, um für eine allgemeine Abkühlung zu sorgen. Ich verkniff es mir.


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


Salvia uliginosa

Die Chefin beantwortete gerade die Fragen eines Kundenpärchens zu einer Reihe von Stauden und Gräsern, die sich diese bereits ausgesucht hatten. Die Pflanzen standen noch etwas wahllos zwischen dem Paar und der Gärtnerin, die diese im Laufe des Gespräches zu einem Beet umstellte. Es gefiel mir, zumal ich diese Art der Planung mit den vorhandenen Mitteln eines Sortiments mag. Auf diesem Wege kommen oft sehr schöne und langlebige Beete oder Rabatte zustande. Manchmal frage ich mich, ob und wie diese Leistung in die betriebswirtschaftlichen und sonstigen Betrachtungen bei der Preisfindung einer Gärtnerei einfließt. Immerhin erhalten die Kunden zu den Pflanzen noch eine kostenlose „Pflanzplanung“. Ich habe noch nie erlebt, dass Kunden hierfür mehr als nur mal ein Trinkgeld angeboten hätten. Aber immerhin!
Aber zurück zu unserem Pärchen. Es fehlten noch ein paar Frühjahrsblüher in der Pflanzung und vielleicht noch ein Winteraspekt. Da kam plötzlich zielstrebig eine weitere Kundin auf die Gärtnerin zu. Bei Erreichen des gesetzlichen Abstands stoppte sie, Ihre aufrecht-resolute Körperhaltung forderte eine sofortige Beachtung. Ihr ernsthafter Blick war ungeduldig, und sie passte nur ein Satzende ab, um ihre Frage einzuwerfen: „Haben Sie eigentlich auch bienenfreundliche Stauden?“ Der Gesichtsausdruck der Gärtnerin wurde etwas ernster, während sie sich der neuen Kundin zuwandte. Sie neigte dabei den Kopf etwas nach rechts und nach unten, um die Dame über ihre Lesebrille, die sie gar nicht trug, anzusehen, um ihr dann keck zu antworten: „Also ich habe noch nie erlebt, dass eine meiner Stauden je ein Insekt gebissen, getreten oder geschlagen hätte.“

Ein sehr tiefes Verständnis für die ökologischen Zusammenhänge im Garten hatte der niederrheinische Journalist und Autor Jürgen Dahl, dessen bereits 1984 erschienenes Buch „Der unbegreifliche Garten und seine Verwüstung“, wie auch seine anderen Werke, in Antiquariaten erhältlich ist. Noch immer geben seine gut gealterten Texte wertvolle Impulse zum bewahrenden Gärtnern und er erklärt, wie sich unser Verhältnis zur Natur im Garten widerspiegelt.