Ein Garten zieht um, Teil 2

Im November sind meine Frau, die Katzen und ich in ein neues Haus gezogen. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Unser alter Hausgarten wurde vom Besitzer dem Erdboden gleichgemacht. Eine umfangreiche Pflanzensammlung mit dem Wiederbeschaffungswert eines gehobenen Mittelklassewagens wurde in eine Kies- und Rasenfläche verwandelt.

Der alte Hausgarten fotografiert von Jürgen Becker


Unser neuer Garten ruht noch. Ich zwinge mich, wie auch die meisten meiner Kunden dazu, im ersten Jahr nur zu beobachten. Interessant ist dabei die Sonnenstellung im Laufe des Tages durch die verschiedenen Jahreszeiten. So gibt es Stellen im Garten, die von Herbst bis Frühjahr eher beschattet liegen, um im Sommer dann viel Sonne abzubekommen. Es ist gar nicht so leicht, hier die richtigen Pflanzen zu finden. Eine Hilfe sind dabei bereits vorhandene Stauden. Die Vorbesitzerin hatte es hier mit Löwenmäulchen, Storchschnabel und – leider vergeblich – mit einer Staudenpfingstrose versucht. Die Wiese, die nun den gesamten Garten ausmacht, ist knie- bis hüfthoch voll mit vielen Gräsern und darin Löwenzahn, Pippau, Kamille, Schafgarbe, Brombeere und Giersch. Darin suchen wir nun nach Stellen, wo unsere beiden Sitzecken hinkommen und die Wege, die noch zu pflastern sind.

Einige Stellen sind so gut mit Nährstoffen versorgt, dass ich sogar über etwas Gemüse nachdenke. Schalotten, Knoblauch, Zuckerschoten, Pastinaken, Rauke, nichts anspruchsvolles. Vielleicht liegt es an meiner aktuellen Lektüre, dem neuen Buch von Dr. Markus Phlippen: Gemüse und Kräuter im Garten, dass das Zeug zum Standardwerk hat. Es ist noch ein weiter Weg, bis die Menschen beim Wort Garten nicht nur an Gemüse oder Ziergarten denken.


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.