Die gärnterische Brille

Japanisches Berggras und Schildblatt im Herbst

Neulich machte eine regionale Naturschutzorganisation von sich reden. War sie in der Vergangenheit eher beim Kampf gegen Kiesgärten, bei der Unterstützung der Krötenwanderung oder beim Brutschutz in Erscheinung getreten, hatte sie diesmal leichtfertig im Internet die eigenhändige Pflege einiger Obstgehölze dokumentiert. Die Bilder zeigten Geselligkeit in der Obstwiese, aber auch die brutale Sanierung eines sehr alten Obstbaumes, die notwendig geworden sei, weil sich in dem sehr alten und offensichtlich geschwächten Gehölz bereits einige Mispeln verirrt hatten. Zweige waren nach der Pflege nicht mehr vorhanden, nur noch der Stamm mit sehr großen Schnittflächen.


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


Es würde den Rahmen dieser Kolumne sprengen die Motivation für dieses Verhalten und die allgemeinen Regeln für förderungsfähige Streuobstwiesen zu erörtern. Wie Sie sich denken können, gab es in den sogenannten Sozialen Medien sofort einen Sturm der Entrüstung, weil sich viele Menschen über die Missachtung gärtnerischer Traditionen beim Gehölzschnitt aufregten.

Was viele dabei gerne übersehen, ist die notwendige und ständige Kulturleistung im Zusammenhang mit der „Natur“. Die Streuobstwiese ist nämlich nur dann ein wertvolles und stabiles Habitat, wenn regelmäßig bestimmte Arbeiten sachkundig durchgeführt werden. So verhält es sich mit allen Wiesen, die darauf angewiesen sind, zur rechten Zeit gemäht zu werden, damit sie sich kontinuierlich neu versamen können. Überlässt man sie sich selbst, verarmen sie schnell und werden binnen einiger Jahre zu Wald.

Christopher Lloyd war Gärtner und Gartenbuchautor. An seinem Geburtshaus Great Dixter entwickelte er, zuletzt gemeinsam mit dem Gärtner Fergus Gerrett, den international bekannten Garten ständig weiter. So experimentierte er auch umfangreich mit Wiesen und wiesenartigen Pflanzungen. In seinem Buch Wiesen, dass 2005 im Verlag Ulmer in deutscher Übersetzung erschienen ist, gibt er dieses Wissen umfänglich preis. Er beschreibt die zahlreichen Pflanzenkombinationen aus Gräsern, Stauden und Zwiebeln, wie Wiesen angelegt und – noch wichtiger – wie sie gepflegt werden.