Graus, Grusel, Grausen, Grauen, Grau


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


Kaum eine Gegend bleibt von dem neuen Gartentrend verschont. Asphalt, Beton und Gebäude werden immer häufiger mit Schotterschüttungen oder Kies kombiniert. Die Empörung darüber ist groß. In den sogenannten Sozialen Medien steht unter dem Namen „Gärten des Grauens“ sogar ein Online-Pranger für solche „Kiesgärten“ bereit. In seiner Rubrik „Naturschutz im Garten“ wirbt gar der NABU hierfür auf seiner Webseite: „Und für alle, die nicht genug bekommen können: Die Facebook-Seite „Gärten des Grauens“ stellt täglich neue Prachtstücke vor, begleitet mit lustigen oder satirischen Texten“.

Prachtstücke meint selbstgerecht kommentierte Fotos dieser ästhetisch fragwürdigen Vorgärten. Auf Namensnennung der Beschuldigten verzichtet der Prangerbetreiber. Dieses Privileg genießen Gartenbaubetriebe nicht. Wer es tatsächlich wagen sollte, mit einem Kies- oder gar einem Zengarten für sein Gewerk zu werben, wird gnadenlos mit Namen und Foto als Umweltsünder für das Insektensterben verantwortlich gemacht. Über 25.000 Menschen bei Facebook finden das gut und nicht wenige beteiligen sich an der Kommentare genannten Spuckerei. Was dort, als freie Meinungsäußerung getarnt, wütet, wirkt auf sensiblere Gemüter nicht weniger abstoßend als die Steine des Anstoßes selber.

Dass in urbanen Räumen selbst zwischen Asphalt und Beton viel Lebendiges und sogar Essbares gedeihen kann, zeigt das Buch Essbare Stadt aus dem AT Verlag. Der Landschaftsgärtner und Koch Maurice Maggi stellt essbare Pflanzen aus Zürich in Bild und Rezepten vor, zum Beispiel Waldmeisterblüten-Ravioli mit Nespoli oder ein sommerliches Blütenrisotto.