Kinder Garten

Bei aller Strenge und Ernsthaftigkeit erwarte ich nicht, dass ein Achtjähriger beim Gartenrundgang bereits Knöteriche erkennt oder, dass eine Siebenjährige zwischen einer Sumpfzypresse und einem Urweltmammutbaum unterscheiden kann. (Hinterher schon!) Zum Glück gibt es immer ein paar Pflanzen im Garten zu entdecken, mit denen sich Kinder für das Thema Garten begeistern lassen. Sind sie nett und interessiert, wenden wir uns direkt den leckeren, schönen und angenehm duftenden Dingen zu. Eher Vorwitzige starten dagegen mit dem tastenden Vergleich der Blätter vom Weichen Akanthus (Acanthus mollis) mit denen vom Dornigen Akanthus (Acanthus spinosus) in der Handfläche. Das bietet dann auch die schöne Gelegenheit, aus der taktilen Tortour die sprachliche Entsprechung der Botanik abzuleiden, denn das lateinische mollis steht für biegsam und weich, während spinosus etwas Dorniges, Stacheliges oder Quälendes beschreibt.


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


Dornen am Szechuanpfeffer im Winter

Sehr bedornt ist auch der Szechuanpfeffer, dessen geröstete Früchte in der Küche verwendet werden. Bei einigen Arten verströmt sogar das Laub einen angenehm zitrusartigen Duft und wer die unreifen Früchte zwischen den spitzen Dornen erntet und mit den Schneidezähnen anritzt, spürt die betäubende Wirkung, die langsam im Mund einsetzt. Ja, wer einen Vertreter der Zanthoxylum-Gattung im Garten hat, bracht Zahnschmerzen nicht zu erdulden. Auch aus Asien stammt die Blaugurke, ein kleiner Strauch, dessen Früchte etwas wie kleine, blaue Bananen aussehen. Unter der Schale verbirgt sich eine glitschige, lecker süße und wie Melone duftende Fruchtmasse mit sehr großen Kernen, die sich hervorragend zum Weitspuckwettbewerb eignen.

Duftende Pflanzen in Garten und Haus heißt ein so kompaktes wie informatives Buch von Frider Plenzat, dass in vielen Antiquariaten erhältlich ist. Ich staune regelmäßig, welches Gehölz- und Staudensortiment dem Autor bereits im Jahre 1963 geläufig war. Es gibt zwar keine bunten Bilder, nur hier und da mal ein paar Skizzen, aber ich schätze dieses handliche Buch als ständige Entscheidungshilfe, sortiert nach Jahreszeiten. Denn im Zweifel bevorzuge ich immer duftende Pflanzen im Garten.