Mein Erste-Hilfe-Set 


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


Auch wenn sie mich entspannt, mag ich diese eine Gärtentätigkeit nicht. Die Rede ist vom Jäten. Meinen Nachbarn ist diese Tätigkeit fremd. Sie hacken den Boden in ihren Beeten mit einem Kultivator. Da kann zwischen den Stauden gar nichts groß genug werden, was gejätet werden müsste. Allerdings dürfen sie sich dann auch nicht wundern, wenn bestimmte Stauden nicht gedeihen, weil sie diese Art von Bodenstörung im Wurzelbereich gar nicht schätzen. Ich pflege eher die zurückhaltende Art des Jätens. Nur jene Pflanzen werden beseitigt, die meine erwünschten Stauden oder Gräser am Aufwuchs hindern oder gar verdrängen wollen. Hin und wieder erwischt es dann mal eine Brennnessel, oder ich widme mich hartnäckig einer Quecke. Da entsteht dann schnell mal eine größere Fläche an offenem Boden. Damit sich dort nicht wieder Unerwünschtes breitmacht, habe ich mir ein Erste-Hilfe-Set zusammengestellt. Es ist ein braunes Weithalsfläschchen, gefüllt mit einer wiesenartigen Mischung aus Saat für sonnige Beete. Es besteht aus Bartnelke, Kornblume, Ringelblume, Salbei, Schafgarbe, Schmuckkörbchen, Seidenmohn, Steinkraut und Wucherblume. Hin und wieder ändere ich die Mischung, aber das Ziel bleibt gleich: Die Aussaat soll schnell den Boden bedecken, blühen und selbst bei reichlich Niederschlag nicht zu üppig wachsen. Bei manchen Staudenbeeten verwende ich solche initialen Saatmischungen auch direkt bei der Pflanzung, um bereits im ersten Jahr einen attraktiven Flor zu erzielen. Im Laufe der Zeit übernehmen dann die langlebigen Stauden das Feld. Das Jäten gleicht dann eher einem Blumenpflücken.

Blackbox-Gardening

Ein Plädoyer für mehr Dynamik im Garten ist das Buch Blackbox-Gardening. Geschrieben haben es der damalige Chefredakteur der Zeitschrift „Gartenpraxis“ Jonas Reif und der Staudengärtner Christian Kreß. Die herrlichen Fotos stammen von Jürgen Becker.

Ich empfehle dieses Buch allen Gartenbesitzern, die in einem statischen und aufgeräumten Garten ihr Paradies finden wollen. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, welche Pracht (und gelegentlich sogar Prunk) mit größerer Gelassenheit gegenüber versamenden Pflanzen möglich ist. Allerdings zeigt es auch den wilden Gärtnern, dass klassische Ordnungsstrukturen nicht schaden. Eine bunte Wiese verträgt einen klaren Konturschnitt und eine Formschnitthecke als Hintergrund hilft die dynamische Pflanzung davor so richtig zu inszenieren.