#StayInGarden

Primula vialii

Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


Seit zweieinhalb Jahrzehnten arbeite ich mal mehr mal weniger häufig in meinem Heimbüro. Die Erfindung des Internets hat sehr viele meiner Tätigkeiten ins häusliche Umfeld verlegt. Wenn ich heute eine Pflanzliste erstelle, einen Gartenplan zeichne oder wie hier gerade an dieser Kolumne schreibe, sitze ich in meinem Büro mit Ausblick auf den Wald.

In den Pausen oder auch zum Telefonieren gehe ich in den Garten. Es gibt immer etwas neu zu entdecken, wie aktuell die Blüten der Schlüsselblumen, des Lungenkrauts und der vielen Wald-, Großblütigen und Riesen-Taubnesseln. Es brummt und summt überall. Gerade sind im Dach die Rauchschwalben wieder eingezogen. Nachdem es bis Februar am Niederrhein reichlich geregnet hatte, holt uns nun die Trockenheit wieder ein. Also beobachte ich aufmerksam die neu gepflanzten Stauden und Gehölze und wässere sie, wenn sie schlappen. Dann freue ich mich auf den Sommer, wenn ich mit dem Laptop im Schatten der alten Hainbuche arbeiten kann. Für mich ist das alles irgendwie selbstverständlich.
Wenn ich dann allerdings mit Städtern telefoniere, die im Homeoffice ihrer Wohnungen sitzen und nur das Grün ihrer Zimmer- und Balkonpflanzen sehen, werde ich ganz nachdenklich. Nach einigen Wochen zwangsweiser Zusammenlegung von Privatem und Arbeitsräumen entfaltet die Angst vor dem Virus bei vielen ihre Wirkung.
Nach solchen Telefonaten gehe ich etwas nachdenklicher durch den Garten, atme bewusster und schnupper den aufkommenden Blütenduft der Koreanischen Abelie. Da fällt mir der dezente Duft des Afghanischen Flieders auf, dessen Blüten bereits aus dem filigranen Laub herausschauen. Man könnte glatt Fernweh bekommen.

Statt zu reisen lese ich gerade zum wiederholten Male von Anna Pavord: Wie die Pflanzen zu ihren Namen kamen. Sie nimmt uns mit auf eine spannende Zeit- und Weltreise, die mit dem griechischen Gelehrten Theophrast vor fast 2.300 Jahren ihren Anfang nahm. Wir reisen über Alexandria, wo eine Zeitlang das Wissen der Antike bewahrt wurde, erleben Abenteuer in Konstantinopel und durchleben die Renaissance, welche die Wissenschaften zuerst in Italien aus ihrem Dornröschenschlaf riss. Interessant sind dabei auch die Auswirkungen der Reformation und Gegenbewegungen auf die Verbreitung von Wissen über ganz Europa. Sie glauben gar nicht, wie spannend die Kulturgeschichte der Botanik ist.


Aktuell ist ein weiterer Text zum Thema „Gardens in the Times of Corona“ erschienen:

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