Tarnen und Täuschen


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


In letzter Zeit werde ich immer wieder von verzweifelten Gartenbesitzern angesprochen. Sie suchen Rat, wie sie dem Druck ihrer Nachbarn, endlich auch einen Schottergarten anzulegen, höflich ausweichen können. Nun, nicht jeder Mensch möchte seine Freizeit im Vorgarten zubringen, um im Herbst mit dem Laubsauger die Kiesel von Blättern zu befreien, ständig den Schotter zu jäten oder gar die zusehends verdreckenden Steine zu reinigen. Ihnen reicht der jährliche Rückschnitt ihrer Stauden gegen Ende des Winters. In einigen Gegenden stehen sie bereits allein da, regelrecht umzingelt von fragenden Nachbarn: „Wie, Ihr habt noch keinen Kiesgarten?“

Tipp 1 heißt Tarnung. Falls Sie die silbrig-graue Optik der benachbarten Schottergärten nicht so sehr stören möchten, tarnen Sie Ihren Garten mit großen Gruppen silbriger Bodendecker. Das Filzige Hornkraut hat silbriges Laub, wächst schnell zu großen Matten heran und nur die üppige, weiße Blüte stört das Bild etwas. Wo bläuliche Töne gefragt sind, bieten sich Stachelnüsschen, Perlkörbchen, Kronen-Lichtnelke, Pfingst- oder Federnelken an. Die Weiße Silberwurz wird erst mit den Samenständen so richtig silbrig. Allen gemeinsam ist, dass sie große Matten auf trockenen Böden bilden und so gut wie keine Pflege benötigen.

Tipp 2: In ihrem Buch „Gemeine Gewächse“ beschreibt Amy Stewart hinterhältige, fiese, bösartige und richtig üble Pflanzen. Alles nichts für den berühmten Paradiesgarten, wo es harmonisch zuzugehen hat, wie unter guten Nachbarn. Das Buch ist ein schönes Geschenk für Nachbarn mit Kiesgärten, welche bereits Angst vor Pflanzen haben.

Und falls auch das nicht hilft – Tipp 3: „Die Kunst der Beleidigung“ von Hans G. Raeth, einem gebürtigen Niederrheiner, der ein ganzes Kapitel dem Thema Nachbarn und den Wortduellen am Gartenzaun widmet. Wenn die Verteidigung der Gartenkultur schon beim Schiedsmann oder einer Richterin landet, dann bitte wegen einer gekonnten Verbalinjurie und nicht wegen dumpfen Beleidigungen.