Warum Pflanzplanung? (Teil 1)

Kennen Sie das? Sie entdecken in einer Gärtnerei eine Pflanze mit herrlicher Blüte. Schlagartig sind Sie begeistert. Das Gehirn kommt gar nicht bis zu der Frage, wohin denn noch mit diesem Neuerwerb, da landet unser Liebling auch schon im Körbchen. Gerne werden solche Pflanzen prominent vor der Kasse platziert. In der Sprache des Marketings nennt man solche Geschäfte dann Impulskauf. Es ist wie ein Reflex auf einen emotionalen Reiz hin, den bereits wartende Kinder an der Kasse lernen, wenn sie dort plötzlich auf Süßigkeiten stoßen. Wer diesen Einkaufsprozess wöchentlich wiederholt, hat wenigstens immer eine Blüte im Garten. Das gilt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass für jede Pflanze ein geeigneter Platz gefunden wird. Es nützt nichts, die wunderbar duftende und süßlich schmeckende Goldmelisse immer wieder in den trockenen Schatten zu pflanzen, wenn sie doch einen frischen Platz in der Sonne benötigt.


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


Leider gibt es kaum Untersuchungen zu der Frage, wie viele Pflanzen sterben, weil sie planlos und nicht am richtigen Standort gepflanzt wurden. Auf der anderen Seite lassen sich fast sämtliche Fragen zu Problemen mit Pflanzen darauf zurückführen, dass diese nicht an einem geeigneten Platz im Garten stehen. Kommt dann noch der Stress von Sommertrockenheit oder extremen Starkregen hinzu, haben es selbst richtig platzierte Pflanzen schwer. Dann fliegen zusätzlich auch mal schwächelnde Klimaverlierer, wie Rhododendren oder Hortensien aus dem Garten.
Wer nicht ständig neue Pflanzen entdeckt, um die Lücken immer wieder zu schließen, wird irgendwann mehr oder weniger frustriert erkennen, dass diese Spontaneinkäufe mittelfristig nicht in einem schönen Garten münden. Oft mangelt es an Wissen über die Bedürfnisse der Pflanze in Sachen Licht, Wasser, Geselligkeit oder geeignete Pflanzpartner. Dann wäre da noch das Erscheinungsbild im Jahresverlauf, um den Belangen der Ästhetik gerecht zu werden.

Das Schlimmste, was nun passieren kann, ist die Aufgabe des Gärtnerns. Sie mündet dann gerne in einer vollständigen Versiegelung der Fläche mittels Pflaster oder es wird eine Kies- oder Schotterschüttung auf einer Kunststofffolie ausgebracht, im Volksmund gerne Kiesgarten genannt. Damit es gar nicht erst so weit kommt, empfehle ich das Buch „Der Kies muss weg!“. Darin klärt der Journalist und Gartenbuchautor Tjards Wendebourg über die Mythen der sogenannten Kies- und Schottergarten auf. Sie sind nämlich nicht pflegleicht, verschlechtern das hausnahe Kleinklima und verringern den Lebensraum von Tagfaltern, Hummeln, Vögeln und anderen Gartenbewohnern. Auch wer sich zu einem Rückbau entschließt, findet hierin hilfreiche Tippt, um einen Vorgarten wieder lebenswert zu gestalten.