„Wir müssen lernen, dass das, was wir machen, richtig ist.“


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


An dieses Zitat eines bekannten Bankiers muss ich gelegentlich denken, wenn ich tradierte Tätigkeiten im Garten kritisch hinterfrage. Regelt die Natur nicht vieles von allein, und wird Gartenarbeit heutzutage nicht als eine einzige Verschwendung von Freizeit wahrgenommen? Auf der anderen Seite möchte man es schön und ordentlich haben, da fehlt den meisten noch der Sinn, wenn es etwas wild oder gar verwildert zugeht.
Was oft vergessen wird: jedes Tun stellt zugleich auch einen (störenden?) Eingriff in etwas Lebendiges dar. Nehmen wir einmal die typische Hecke als Sichtschutz zur Nachbarschaft. Klassisch kommen hier Gehölze zum Einsatz, die über einen starken Wuchs verfügen, wie z.B. Hainbuche oder Eibe. Der Mehrwert eines doch sehr aufwendigen Heckenschnitts liegt in der Betonung einer horizontalen oder auch mal geschwungenen Linie und einer ebenen, flächigen Texturwirkung. Nun, was spräche dagegen, auf diesen Schnitt gänzlich zu verzichten, indem man Gehölze pflanzt, die genau die gewünschte Wuchshöhe erreichen? Die Vorzüge wären eine Blüte für die Insekten, wie bei Alpen-Johannisbeere, und eine Frucht z.B. der Heckenkirschen für die Vögel, denn beides wird durch einen regelmäßigen Schnitt unterdrückt und geht auch uns verloren.
Weitere Tätigkeiten, die kritisch zu hinterfragen wären, sind die Beseitigung von Totholz und Laub und damit des Lebensraums von zahlreichen Kleinstlebewesen, oder die regelmäßige Störung des Bodens beim Hacken.

Ina Sperl: Das grüne Wunder

Viele dieser ökologischen Zusammenhänge zwischen Flora und Fauna im Garten zeigt Ina Sperl in Ihrem Buch „Das Grüne Wunder“ (GU) auf. Kein Zeigefinger, der sich erhöbe, aber nach dieser Lektüre ist der Blick auf den Garten ein anderer.

Zusatz: Das Titelfoto zeigt eine kombinierte Hecke aus Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum) und Schwarzem Holunder (Sambucus nigra 'Black Lace'). Die Alpen-Johannisbeere wurde seit 9, der Holunder seit 4 Jahren nicht mehr geschnitten. Im Vordergrund sieht man die Vorjahrestriebe vom Hanfblättrigen Eibisch (Althaea cannabina). Mit dem Neuaustrieb fallen diese in sich zusammen.