Bienen brauchen keine Hotels


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


Sie begegnen uns mittlerweile überall. Ursprünglich initiiert von Naturschutzeinrichtungen stehen und hängen sie heute in vielen Gärten. Selbst in Kiesgärten, an Autobahnraststätten oder sogar in Naturschutzgebieten werden sie vermehrt gesichtet: Bienenhotels, eigentlich Insektenhotels, sind zum solutionistischen Symbol für die Gute Tat geworden. Wer sie aufstellt, demonstriert Aktivität gegen das zu Recht beklagte Insektensterben. Sogar Konzerne, die als mitverantwortlich für das Problem gelten, haben Bienenhotels als Werbeträger entdeckt. Und tatsächlich: auf Motorhauben und Windschutzscheiben kleben heute wieder deutlich mehr Insekten als die Jahre zuvor. Es scheint zu helfen.
Wer bei Corona mindestens einen forschenden Virologen als Experten verlangte, sollte in Insektenfragen allerdings mindestens eine Entomologin konsultieren. Fragen sie mal eine solche, was sie von Insektenhotels hält.


Sie ahnen es schon. Wenn die aktuell praktizierten „Blühstreifen“ und „Blühwiesen“ der moderne Ablasshandel sind, dann dienen Insektenhotels zuerst dem persönlichen Greenwashing. Natürlich „funktionieren“ diese Hotels, wenn sie richtig gebaut und aufgestellt wurden. Dann passen sie auch gut in die kontrollierte Umgebung eines aufgeräumten Gartens und lösen Probleme, die es ohne die saubere Optik unserer Gärten und Kulturlandschaft nie gegeben hätte. Es mangelt in erster Linie an zwei Dingen: Das Futter und eine Unterkunft für die Aufzucht der Brut. Da Wildinsekten oft nur eine Reichweite von einigen 100 Metern haben, müssten dann beide auch dicht beieinander liegen.

Biotope im Garten
von Ulrich Klausnitzer


Meine Buchempfehlung zum Thema heißt „Biotope im Garten“ von Ulrich Klausnitzer. Es vermittelt auf sehr instruktive und leicht verständliche Art das notwenige Wissen über die möglichen Lebensräume von Tieren im Garten. Es sind oft nur kleine Abweichungen von üblichen Tätigkeiten, die richtige Materialwahl beim Zaunbau oder die geschickte Aufteilung der Gartenräume, um lebensfreundliche Gärten zu realisieren.
Ein Garten mit Totholz, Wasserstellen, heimischen Pflanzen, Rückschnitt als Mulch, und Laub, dass unter den Bäumen liegen bleiben darf, leistet nämlich bereits genug.