„Das ist doch keine Arbeit!“


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


Neulich startete eine liebe Gartenfreundin eine kleine Umfrage unter Gartenmenschen:
Welche Gartenarbeit gefällt euch am besten?
Meine Antwort auf diese Frage beginnt immer gleich: Zuerst leugne ich nämlich, dass es überhaupt Arbeit im Garten gibt. Ich spreche hier lieber von Vergnügen, dass mal größer, mal kleiner ausfällt, je nach den aktuell eigenen Vorlieben. Warum ich das mache? Gärten haben es schwer, weil sie mit „Arbeit“ und gerne mit „viel Arbeit“ in Verbindung gebracht werden. Leider ist der Begriff „Arbeit“ in unseren Tagen arg belastet, quasi das Dauer-Unwort des Jahrzehnts. Um es kurz zu machen: Viele Menschen fühlen sich durch Arbeit regelrecht belästigt. Es ist kein Dandytum, für dessen Protagonisten die Forderung zu arbeiten noch eine regelrechte Beleidigung darstellte. Es ist mehr ein Phänomen der Wahrnehmung, einer Angst vor Stress, als würde auch der Garten keinen Schutz vor dem Burnout gewähren.

Aber zurück zur Frage. Meine Lieblingstätigkeit im Garten ist das permanente Entdecken. Gehölze und Stauden blühen plötzlich außer der Reihe, und ich frage mich, ob ich der einzige bin, der diese Beobachtung macht, ob das der Klimawandel ist, um dann von erfahren Gärtnern zu erfahren, dass es das schon immer gab. Oder ich entdecke neue Sämlinge, wie Wildkräuter, die ich noch nicht kenne und gelegentlich dann doch Arbeit verursachen. (Ich kenne jedoch Menschen, deren Gesichter beim Jäten so viel Glück verstrahlen, wie kaum ein Paradies je bescheren könnte!)

Manchmal finde ich auch neue Sämlinge von Stauden, die sich von den gepflanzten und bekannten unterscheiden. Bastarde, Hybriden, neue Blütenfarben, plötzliche Blattpanaschierungen, aufrechte Formen von Arten, die sonst lagern – die Botanik steckt voller Überraschungen. Ich denke dabei auch an den Ausspruch eines Gartenfreundes, als er einen neuen Sämling entdeckte: „Mach mich reich!“.

Ganz sicher mit ehrlicher Arbeit verbunden, ist der Anbau von Gemüse. So heißt auch das lesenswerte Buch des Gärtners Christian Havenith aus dem Dort-Hagenhausen-Verlag. Der Kräuterspezialist beschreibt die Unterschiede von Rauke und Rucola, klärt unterhaltsam über „Saubohnen“ und „Maulwurfsalat“ auf und beschreibt viele traditionelle, oft sehr regionale Gemüse-Sorten. Seine Mangoldpizza hat mich sogar mit diesem Gemüse versöhnt.