Elias Landolt: Flora indicativa

Nachdem ich mir „Flora indicativa“ nun endlich zugelegt habe, möchte ich entweder meinen Optiker oder den im Verlag für das Layout Verantwortlichen zumindest ein paar Stunden, mit Verlaub, ausgiebig foltern. 😉 Waren es 1974 bei Ellenberg: „Zeigerwerte der Gefäßpflanzen Mitteleuropas“ zum Beispiel gut lesbare 47 Zeilen auf 18 cm, pressen unsere Freunde vom Haupt Verlag hier glatt 89 Tabellenzeilen auf nur 25,1 cm. Hinzu kommt ein unerträglich bis unnötig enger Zeichenabstand eines Condensed Fonts, der ausgerechnet bei den Strategietypen zusammenklumpt und somit kaum noch lesbar ist. (An dieser Stelle möchte ich kurz den Werbeblock eröffnen und auf den Hersteller meiner Lieblingseinschlaglupe verlinken. Offensichtlich benötige ich diese nun auch zum Lesen.)
Ich kenne selbst Telefonbücher von Metropolen, die deutlich lesbarer sind.

Elias Landolt: Flora indicativa

Genug gejammert!

Grundsätzlich gefällt mir die hier verwendete Bezeichnung der Strategietypen mit konsequent drei Stellen aus den bekannten Haupttypen: ccc, ccr, crr oder rrr. Das ist deutlich anschaulicher und „berechenbarer“ als die in ihrer Komplexität kaum zu toppenden Bezeichnungen S-CS, R-CSR, RS oder C.‘ Kein Wunder, dass so viele Planer und Staudengärtner dieses Modell so offen ablehnen. In der Pflanzenverwendung bevorzuge ich allerdings die ursprüngliche Ausdifferenzierung.
Auch in einem weiteren Punkt sind unsere Nachbarn in der Schweizer klar im Vorteil, denn ihre Ordinalzahlen gehen von 1 bis 5, während im Norden ganze zwei Stellen bemüht werden. (Was im Layout zusätzlichen Platz einfordert hätte!) Die sonstigen Vor- und Nachteile zwischen beiden Skalen wurden bereits umfangreich diskutiert. Aus gärtnerischer Sicht, ist mir die schweizerische Einteilung deutlich sympathischer und ausreichend.

Warum sind die ökologischen Zeigerwerte, sowie biologischen Kennzeichen und damit dieses Buch so wertvoll für gärtnernde Menschen und die Planung?
Der wichtigste Aspekt ist die genaue Bestimmung und Beschreibung der bereits vorhandenen Vegetation am Ort der Planung. Auf Grundlage dieser Informationen lässt sich der Standort, beziehungsweise seine verschiedenen Gartenbereiche ziemlich genau beschreiben. Das ermöglicht zuverlässige Prognosen darüber, welche ähnlichen Pflanzen als gärtnerisches Angebot dort gedeihen dürften. Genau hierbei helfen die Zeigerwerte nach Ellenberg und in der Schweiz nach Landolt, wie auch andere Informationen über die regionale Flora.
Auch wenn immer wieder betont wird, dass die Zeigerwerte aus Beobachtungen im Gelände resultieren und nicht experimentell abgesichert sind, verliert dieser Einwand seine Berechtigung, je mehr Zeigerpflanzen am Standort vorgefunden werden. Ausreißer können als solche identifiziert werden oder verlieren zumindest an Relevanz, denn Fehldeutungen werden ab einer gewissen Quantität deutlich unwahrscheinlicher.

Je nach Gartenprojekt gelangen wir zunehmend zu einer Gartengestaltung, die heimische Stauden berücksichtigt und einen schonenden Umgang mit den vorhandenen Ressourcen sucht, neben der wohl wichtigsten Ressource Wasser wäre das insbesondere die für den Erhalt der Pflanzung und deren Entwicklung erforderliche Arbeitszeit. Stichwort: pflegeleicht! Deren Verbrauch wächst regelmäßig und proportional zur Abweichung von einer „natürlichen“ Pflanzenverwendung“. Insbesondere die Missachtung typischer Soziabilität (Was Gärtner gerne Geselligkeit nennen.) sowie der standortgerechten Staudenverwendung resultiert mittelfristig in deutlich mehr Pflege als ein Gärtnern „mit der Natur“, also der Berücksichtigung individueller Pflanzenbedürfnisse oder jener einer Gesellschaft.
Die Beobachtung der Natur – auch die wissenschaftliche – führt zu einem besseren gärtnerischen Verständnis und hilft uns nachhaltiger zu planen. Dafür sind Bücher wie „Flora indicativa“ unerlässlich.

Das Buch „Flora indicativa“ kann beim Haupt-Verlag bestellt werden.