Wenn die Natur sich einmischt


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin Im Garten. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


Neulich verfolgte ich in einem Internet-Forum eine interessante Diskussion. In einem Beet, dass als „Gruß an Frankreich“ konzipiert war, hatte sich ein Gewöhnlicher Sonnenhut in Gelb eingefunden. Nun bin ich grundsätzlich ein Freund des sich selbst organisierenden Gartens. Warum sollte man in etablierte Prozesse der Botanik eingreifen, wenn sie auch selbständig zu gewünschten Bildern führen? Sicherlich ist es für diese Form der Gartenkultur förderlich, dass sich ihr gerade viele Menschen zuwenden. Es darf natürlicher wirken. Insekten-, Falter- und besonders die Bienenfreundlichkeit stehen so hoch im Kurs, dass selbst Brennnesseln und anderes Wildkraut in einigen Gärten bereits geduldet werden. Es wurden sogar schon wiesenartige Pflanzungen auf Landesgartenschauen gesichtet. Und vergessen wir nicht die ganzen Blühstreifen, die gar als Wendepunkt beim Insektensterben gefeiert werden. Die Natur hat Konjunktur. Zwinker!

Aber was bleibt übrig von unserem „Gruß an Frankreich“? Welchen Respekt zollen wir der Kultur? Was bleibt von unseren Ideen? Das Beet war als eine Farbkombination in Blau, Weiß und Rot gedacht, den Farben der französischen Freiheit, Gleichheit und Schwester- wie Brüderlichkeit, um es einmal idealisiert zu formulieren. Wie kann es da die wilde Natur in Form einer US-amerikanischen Staude wagen, mit ihrem egoistischen Gelb den Gruß zu stören und gar Zwietracht unter den beiden Gartenbesitzern zu sähen?

Sie waren sich nicht einig, wie sie mit der Situation umgehen sollten, und so ergab sich eine schöne Gelegenheit, einmal die sogenannte Schwarmintelligenz der Follower und Freunde einzufangen. Deren Antworten waren zahlreich wie eindeutig: Die Botschaft der Natur wurde als freundliche Geste in Gelb verstanden. Ich war froh zu erfahren, dass sie den Sonnenhut trotzdem entfernt haben.

Mein Lieblingsbuch in Sachen Gartenkultur stammt von Penelope Hobhouse und heißt schlicht Der Garten, erschienen bei Dorling Kindersley. Sie beschreibt eloquent und begeisternd, welche Rolle die Gartenkunst in den letzten Jahrtausenden gespielt habt. Dabei ging es nicht immer so beschaulich wie in den Klostergärten zu. Die Geschichte handelt auch von Lusttempeln und -Grotten, Pflanzensammlern, -Jägern und -Dieben, aber auch vom Prunk der Herrschenden oder dem Staatsbankrott, weil die Begeisterung für Gärten mal grenzenlos war. Was für Zeiten!